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Steuerparadiese #3

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Steuerparadies Mauritius: Indiens eigenes Luxemburg

Gastbeitrag von Avik Das

26. Juli 2019 , aktualisiert 26. Juli 2019, 16:28 Uhr

Mauritius ist ein malerisches Inselparadies mit einem ähnlichen Geschäftsmodell wie Luxemburg.


Die Insel im indischen Ozean gerät durch „Mauritius-Leaks“ in die Schlagzeilen. Dabei zieht die einstige britische Kolonie gerade ihre Steuerschrauben ein wenig an – mit riskanten Folgen fürs eigene Geschäftsmodell.

Die winzige Inselnation vor der Ostküste Afrikas erlebt derzeit unruhige Zeiten. Anfang dieser Woche berichtete das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) aus durchgesickerten Dokumenten und Mails von Conyers Dill & Pearman, einer auf Mauritius ansässigen Offshore-Spezialkanzlei, wie ausländische Unternehmen das Land genutzt haben, um Geld steuergünstig durchzuschleusen. Unternehmen wie Religare Enterprises Ltd brauchten so keine Kapitalertragssteuer zu zahlen. Das sind schlechte, geschäftsschädigende News für die rund 2000 Quadratkilometer große Insel mit ihren 1,3 Millionen Einwohnern. Die Tragik besteht für Mauritius nun darin, dass sich die Leak-Daten auf die Zeit von den neunziger Jahren bis 2017 beziehen, das Land aber danach neue Steuerabkommen mit dem Ausland schloss, um den Ruch einer Steueroase abzustreifen. Das geht nun zulasten von Mauritius‘ Hub-Funktion für ausländische Investoren, speziell in Bezug auf Indien.

Tatsächlich haben sich die ausländischen Direktinvestitionen (FDI), die über Mauritius nach Indien getätigt werden, im letzten Steuerjahr fast halbiert. Das ist eine kritische Wende für die kleine Inselnation, die bisher das größte Herkunftsland von ausländischen Direktinvestitionen für die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt gewesen ist. Damit wackelt das Geschäftsmodell von Mauritius, das für Indien eine ähnliche Rolle als Investitionshub spielt wie Luxemburg für die EU. Konkurrent Singapur scheint die neue Steuerfairness der Mauritianer dagegen auszunutzen und sich als FDI-Alternative zu positionieren.

Indien und die winzige afrikanische Insel verbinden seit mehr als einem Jahrhundert enge wirtschaftliche, politische und kulturelle Beziehungen. Etwa 68 Prozent der Gesamtbevölkerung von Mauritius sind indisch-stämmig. Viele sind Nachkommen von Werktätigen, die im 19. Jahrhundert von den Briten aus Indien gebracht wurden. Der Aufstieg von Mauritius, das 1968 die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich erlangte, in die globale Finanzliga war später wie ein Wunder.


Mauritius wirbt seit langem als Tor nach Indien für multinationale Unternehmen und verspricht unter anderem niedrige Steuersätze, wenn sich Unternehmen dort niederlassen. Indien ist für Mauritius der wichtigste Handelspartner. Der kombinierte Handel zwischen den beiden Ländern beläuft sich auf etwa zwei Milliarden US-Dollar. Mehrere globale Fonds, Private-Equity-, Risikokapital- und Hedgefonds, haben aufgrund von Steuervorteilen über Mauritius in Indien investiert. Die beiden Nationen hatten 1982 ein Doppelbesteuerungsabkommen unterzeichnet, das den Weg von Mauritius zu einer globalen Offshore-Finanzdrehscheibe für Unternehmen aus den USA, dem Vereinigten Königreich und anderen europäischen Ländern bereitete. Die Bilanz ist durchaus beeindruckend: Die gesamten FDI-Zuflüsse über Mauritius nach Indien beliefen sich zwischen April 2000 und März 2019 auf 135 Milliarden US-Dollar, Konkurrent Singapur kam auf 83 Milliarden Dollar. Dahinter folgten Japan und die Niederlande mit 30,3 Milliarden bzw. 27,3 Milliarden US-Dollar.

Aber Indien und Mauritius änderten ihr Steuerabkommen 2016, Indien bekam ein quellenbasiertes Recht auf Besteuerung von abfließenden Kapitalgewinnen. Die Besteuerung wurde zwei Jahre lang stufenweise eingeführt und ist seit April 2019 vollständig anwendbar.

Damit ist ein wichtiger Vorteil dahin. Die über Mauritius fließenden indischen FDI‘s halbierten sich zuletzt, während die über Singapur laufenden Investitionsmittel um ein Drittel hochschnellten. So hat beispielsweise der US-Einzelhändler Walmart das indische E-Commerce-Unternehmen Flipkart für 14 Milliarden Dollar gekauft hat – via Singapur. Es muss sich nun zeigen, ob Mauritius auch als Nicht-Steueroase bestehen kann.